Die Volksschule Pasching

Früher wurde Schulbildung nur einem relativ kleinen Bevölkerungskreis zuteil. Sie war außerdem Sache der Kirche. Erst durch die Reformen Maria Theresias wurde das Schulwesen unter staatliche Aufsicht gestellt.
Mit der „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“ 1774 wurden alle kirchlichen Grundschulen in Staatsschulen umgewandelt und eine Schulpflicht vom 6. bis zum 12. Lebensjahr eingeführt. Das Haus Pasching Nr. 9 war von jeher Schul- und Mesnerhaus zugleich, da der Schulmeister früher auch die Funktion eines Kirchendieners hatte.
Über die heutige Schule wissen wir seit dem Schuljahr 1874/75 sehr gut Bescheid, denn seither wird in Pasching die Schulchronik geführt. Damals startete ein Schuljahr nicht im Herbst, sondern Anfang Mai und endete im darauffolgenden Jahr Ende April. Neben (kürzeren) Sommerferien gab es auch Herbstferien, die im Volksmund „Erdäpfelferien“ genannt wurden, weil da die Kinder zur Ernte am Feld gebraucht wurden. Gerade in einem bäuerlichen Ort wie Pasching musste darauf Rücksicht genommen werden. Die Sommerferien hießen übrigens „Schnitt-Ferien“ – auch bei der Getreideernte mussten die Kinder helfen.
Im Schuljahr 1874/75 besuchten 56 Knaben und 63 Mädchen die Volksschule in Pasching. Der Unterricht erfolgte in zwei Klassen – die eine hatte Vormittags-, die andere Nachmittagsunterricht. Seit 1869 dauerte die Schulpflicht 8 Jahre.

Das neue Schulhaus
1894 wurde im Hausgarten des Gemeindehauses ein neues Schulhaus (mit der Nr. 26) errichtet. Mit Schulbeginn am 1. Mai besuchten 115 Kinder den Ganztagsunterricht, 26 Kinder nahmen am gekürzten Unterricht teil. Im Schuljahr 1895/96 stieg die Schülerzahl auf einen Stand von 158, zur Verstärkung wurde ein Unterlehrer eingestellt.
Im Dezember 1913 gab es zum ersten Mal elektrisches Licht in der Schule. Die folgenden Jahre waren aber von Einschränkungen geprägt. Der Erste Weltkrieg hatte häufige Lehrerwechsel, Seuchen und an manchen Wintertagen auch Schulschließungen wegen Brennstoffmangels zur Folge. 1918, im letzten Kriegsjahr, besuchten 205 Kinder die Volksschule. Die 1. Klasse wurde in drei Abteilungen geteilt, die 2. Klasse in zwei. Der Unterricht lag in den Händen des Oberlehrers und einer Lehrerin.

Zwischenkriegsjahre und NS-Zeit
1929 entstand durch das Entfernen von Zwischenwänden im Erdgeschoß ein weiterer Klassenraum, sodass die Volksschule (mit 129 Schülern) nun dreiklassig geführt werden konnte. Eine dritte Lehrkraft wurde angestellt.
Die politischen Konflikte der Dreißigerjahre warfen auch auf die Schule einen ideologischen Schatten. 1938 wurde die Schule gleichgeschaltet: Die Lehrerschaft wurde auf Regimetreue überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht. Schuldirektor Johann Freudenthaler passte sich gleich an und wurde Mitglied der NSDAP, wenn auch nicht allzu überzeugt. Sein gutes Verhältnis zur Kirche wurde ihm übelgenommen.
Während des Krieges litt der Unterricht stark unter Lehrermangel, auch wurden die Kinder immer wieder zu Arbeiten in der Landwirtschaft herangezogen. Ab November 1942 wurde die Schule nur noch zweiklassig geführt. Vermehrter Fliegeralarm ließ viele Schulstunden ausfallen, im April 1945 wurde das laufende Schuljahr beendet. Zuletzt waren 66 Schüler eingeschrieben – 1938 waren es noch 120 gewesen.

Die Paschinger Schule nach 1945
Die Nachkriegsjahre bedeuteten noch lange große Entbehrungen. Ab 1956 wurde die Schule wieder dreiklassig geführt. Durch den Bevölkerungszuwachs wurde aber 1957 eine neue Schulsprengeleinteilung festgelegt: Die schulpflichtigen Kinder von Langholzfeld wurden der neuen Volksschule Doppl in der Gemeinde Leonding zugeteilt, die Kinder aus Wagram besuchten weiterhin die Volksschule in Traun.
Ab Schulbeginn 1963/64 wurde die Schule erstmalig ohne Oberstufe geführt – die 10 Oberstufenschüler wurden der Oberstufenklasse an der Volksschule Leonding zugewiesen. 1967 wurde die Schule vierklassig. Nun hatte jede Schulstufe eine Klasse, jede Klasse einen Lehrer. Ein Schulumbau und ein Turnsaal Anfang der 1970er-Jahre verbesserte weiter die Situation. 1979 erhielt die Schule sogar den ersten Computer und einen Drucker.
In den 1990er-Jahren war immer wieder von einem Schulneubau die Rede. 1999 begann ein großzügiger Umbau. Heute werden in der Paschinger Volksschule über 100 Kinder in 6 Klassen unterrichtet.

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